Harkauer Schulwesen – Kindheit und Bildung im Dorf

Wie Lernen und Erziehen in Harkau einst aussah

Bei uns in Harkau gab es noch die 6.jährige Schulzeit. Es wurde Vormittag und Nachmittag unterrichtet. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 8-12 Uhr und von 14-16 Uhr. Mittwoch und Samstag von 8-12 Uhr. Es gab die Grundschule mit den Klassen 1-3 und die Hauptschule mit den Klassen 4-6.

Mit 6 Jahren wurden die Kinder eingeschrieben. Das Einschreiben war sehr wichtig für die ganze Schulzeit. Wie die Reihenfolge beim Einschreiben war so saßen die Kinder in der Klasse.  Ebenfalls spielte auch der Stand der Familie eine Rolle bei der Sitzfolge. Im Laufe des ersten Schuljahres konnte sich die Sitzfolge noch ändern. Wenn ein Schüler sehr gut war konnte er nach oben rücken oder umgekehrt auch nach unten. Diese Sitzfolge wurde dann beibehalten bis zum Ende der Schulzeit.

Bei uns war die Unterrichtssprache deutsch. Ab der 2 Klasse mussten die Kinder auch ungarisch lernen, woran aber nicht viel Interesse bestand. Ab der 4 Klasse kamen die Schüler in die Hauptschule. Das Schuljahr dauerte von 1.September bis Ende Juni. Am letzten Sonntag im Juni war immer das Abschlussexamen dass in der Kirche stattfand. Der Lehrer befragte die Schüler um der Gemeinde zu zeigen was sie im Schuljahr gelernt hatten. Nach dem Examen ging es in die großen Sommerferien.

Einmal im Jahr gab es eine Wanderung, an dem Schulwandertag mussten alle Schüler teilnehmen. Bei den Grundschülern ging es meist nach Ödenburg, das war nicht so weit, etwa 6 km. Es wurde das Museum besichtigt oder es ging auf die Karlshöhe, ein

Aussichtsturm am Rande der Stadt. Von hier aus hatte man eine wunderbare Aussicht  auf die ganze Umgebung. Bei sehr klarem Wetter konnte man sogar den 80 km

entfernten Balaton See sehen. Bei den Hauptschülern gab es schon eine größere Wanderung, es ging nach Wandorf, nach Brennberg oder auf die Muckwarte, auch ein Aussichtsturm. Das waren schon 15-20 Km, ganz schön anstrengend.

Die Schüler mussten jeden Sonntag in die Kirche zum Gottesdienst, das war Pflicht. Bei uns gab es damals noch die Prügelstrafe, bei kleineren Vergehen gab es Ohrfeigen und bei größeren Sachen kam der Stock zur Anwendung.

Ab den 5. Schuljahr mussten die Schüler in den Konfirmandenunterricht. Sie mussten  den ganzen Katechismus auswendig lernen. Sie mussten auch jeden Sonntagnachmittag zur Christenlehre. Im 6.Schuljahr am weißen Sonntag, den Sonntag vor Ostern, war bei uns immer die Konfirmation. Nach der Schulzeit mussten die Jugendlichen noch bis zum 14 Lebensjahr in den Wintermonaten jeden Mittwoch und Samstagnachmittag von 14-16 Uhr in die Wiederholungsschule, dort wurde das Allgemeinwissen wieder aufgefrischt.